Giftige Wirkung für Mensch und Tier

Erstes Angriffsziel ist die Leber

Die toxischen Inhaltsstoffe der Kreuzkräuter – Pyrrolizidinalkaloide (PAs) – greifen die Leber von Mensch und Tier an. Dies kann je nach aufgenommener Menge und Dauer akut, häufiger aber chronisch verlaufend zur Leberzirrhose führen. Gerade Pferde können nach der Aufnahme größerer Mengen innerhalb weniger Tage sterben. Die irreversible Leberzellschädigung erfolgt aber meist durch geringe Mengen über einen längeren Zeitraum.

 

Bis zum Erreichen des kritischen Punktes können viele Jahre vergehen. Daher wird die auslösende Ursache oft nicht mehr erkannt!

 

Nicht nur Kreuzkräuter, sondern beispielsweise auch Borretsch, Beinwell und Natternkopf enthalten diese Alkaloide. Mehr als 660 PAs und PA-N-Oxide (PANOs) treten in mehr als 6.000 Pflanzenarten auf – was bedeutet, dass etwa drei von 100 Pflanzenarten diese toxischen Inhaltsstoffe enthalten. PAs und PANOs sind per se nicht giftig. Erst durch Verstoffwechselung in der Leber können sie als aktive Metaboliten ihre giftige Wirkung entfalten. Dabei konkurrieren Entgiftungsreaktionen im Pansen, im Darm und in der Leber mit der Bildung toxischer Metabolite in der Leber.

 

Toxische Empfindlichkeit gegenüber S. jacobaea: Schweine > Hühner > Pferde und Rinder > Ratten > Mäuse > Schafe und Ziegen
(Hooper 1978, Übersicht bei Petzinger 2011)

 

Heimtückische Wirkung

Nach dem Verzehr bauen Enzyme in der Leber die PAs zu hochgiftigen Verbindungen um. Bei geringen PA-Mengen schafft es die Leber anfangs noch, sich zu entgiften. Wird jedoch eine gewisse Menge überschritten, die individuell verschieden ist, wird eine Schädigung der Leberzellen (DNS-Mutationen) in Gang gesetzt, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Im fortgeschrittenen Stadium werden auch das Zentrale Nervensystem sowie die Lungen und die Nieren geschädigt. PAs wirken außerdem krebserregend (kanzerogen), embryonenschädigend und erbgutverändernd (mutagen). Am empfindlichsten reagieren ungeborene und junge Tiere – und auch wir Menschen! 

 

"Auch der Mensch gilt als besonders empfindliche Spezies."

"Es ist unzweifelhaft, dass PA-haltige Pflanzen im Tierfutter und ebenso in der menschlichen Nahrung nicht vorkommen dürfen."

(Petzinger 2011)

 

PA-Vergiftungen durch Kreuzkräuter bei landwirtschaftlichen Nutztieren (Seneciose, Schweinsberger Krankheit) sind seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt und spielen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit eine große Rolle. In den letzten Jahrzehnten traten PA-Vergiftungen bei uns durch die Veränderungen und die Intensivierung der Landwirtschaft nur noch selten auf. Sie werden aber seit einigen Jahren wieder vermehrt diagnostiziert. (Petzinger 2011)

 

Tödliche Dosis

Besonders gefährdet sind Pferde und Rinder, aber auch Hühner sind sehr empfindlich (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich, Bosshard et al. 2003). Die tödliche Dosis von Jakobskreuzkraut beträgt beim

  • Pferd: 40 g bis 80 g Frischmasse je kg Körpergewicht (ca. 25 kg Kreuzkraut)
  • Rind: 140 g Frischmasse je kg Körpergewicht (ca. 85 kg Kreuzkraut)
  • Huhn: 50 g Frischmasse je kg Körpergewicht (ca. 0,05 bis 0,3 kg Kreuzkraut)
    Zusatzhinweis: Ob auch wildlebende Vögel durch Pyrrolizidinalkaloide gefährdet sind, wurde bisher nicht untersucht (Recherchen im Juli 2018); verschiedene Vogelexperten äußerten zwar Vermutungen, hatten aber keine Belege.

Schafe und Ziegen sind deutlich weniger anfällig; die tödliche Dosis von JKK liegt bei: 

  • 1.000 bis 4.000 g Frischmasse je kg Körpergewicht (ca. 30 bis 70 kg Kreuzkraut)

Da der PA-Gehalt der Pflanze von äußeren Faktoren abhängt und in Blatt, Stängel, Blüte u.a. Pflanzenteilen variiert, können allerdings keine exakten Gefahrenmengen angegeben werden. Zudem gibt es individuelle Verträglichkeitsunterschiede, die beispielsweise durch Alter oder Vorbelastungen bedingt sind.

 

Aus dem Codex Alimentarius „Code of Practice for Weed Control to Prevent and Reduce Pyrrolizidine Alkaloid Contamination in Food and Feed":

Pyrrolizidinalkaloide (PAs) sind natürliche Toxine, die in einer Vielzahl von Pflanzen vorkommen. Es wird davon ausgegangen, dass weltweit über 6.000 Pflanzenarten PAs enthalten. PAs sind damit wahrscheinlich die am weitesten verbreiteten natürlichen Toxine, die Wild- und Nutztieren und auch Menschen schaden können. Das Hauptzielorgan von PA-Toxizität ist die Leber. Es kommt zu progressivem Leberschaden (zentrilobuläre hepatozelluläre Nekrose) und zur veno-okklusiven Erkrankung. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat drei PAs – Lasiocarpin, Monocrotalin und Riddelliin – als "möglicherweise krebserregend für Menschen" (Gruppe 2B) eingestuft. Risiken für den Menschen können sich aus der Aufnahme von PA-kontaminierten Lebensmitteln pflanzlichen oder tierischen Ursprungs ergeben. Direkte Vergiftungen bei Menschen über Lebensmittel sind gut dokumentiert, was in einigen Fällen zu Todesfällen geführt hat. Auch der Verzehr von Getreide oder Getreideprodukten (Mehl, Brot), die mit PA-haltigen Samen kontaminiert waren, hat zu Vergiftungsausbrüchen geführt. Ferner wurden Pflanzenteile, die PAs enthalten, in Lebensmitteln identifiziert, beispielsweise im Rukola oder Salat. PAs wurden auch in Produkten tierischen Ursprungs (Milch, Eier) gefunden, was einen Transfer von PAs vom Futter auf essbares Gewebe anzeigt. Obwohl es Lücken bei den verfügbaren Informationen zur Toxizität, zur relativen Potenz der einzelnen PAs und zum Beitrag verschiedener Lebensmittel zur Gesamtexposition, gibt, sollte die ernährungsbedingte Exposition gegenüber PAs aufgrund der potenziell gesundheitsgefährdenden Auswirkungen, die durch die Aufnahme dieser Toxine über Futter oder Nahrung verursacht werden können, so gering wie möglich sein. Um dies zu erreichen, müssen Maßnahmen zur Vermeidung und Verringerung der Kontamination von Lebens- und Futtermitteln mit PAs erfolgen. Um eine Ausbreitung PA-haltiger Pflanzen angemessen zu verhindern und die Kosten für Bekämpfungsmaßnahmen zu senken, ist eine frühzeitige Erkennung dieser Pflanzen unerlässlich, gefolgt von Maßnahmen zur Vermeidung der Kontamination von Lebens- und Futtermitteln.

 

"Um die Ausbreitung PA-haltiger Pflanzen zu verhindern, müssen alle Landeigentümer, Nutzer und Verantwortlichen eine kollektive Verantwortung übernehmen, um eine wirksame Kontrolle der Ausbreitung zu gewährleisten."

 

Alle Teile von Kreuzkräutern sind giftig!

Egal ob Blatt, Stängel, Blüte oder Samen, die giftige Wirkung bleibt im konservierten Futter bestehen. Pferde und Rinder, jedoch auch Schweine und Hühner,  reagieren sehr empfindlich auf PA-Intoxikationen. In Abhängigkeit von der Menge der aufgenommenen PAs können innerhalb von Tagen oder Wochen akute Vergiftungssymptome auftreten. Häufiger kommt es jedoch zu chronischen Langzeitintoxikationen, welche sich erst nach Monaten oder Jahren zeigen. Auch beim Menschen sind weltweit zahlreiche Todesfälle bekannt. Erfolgreich behandelbar sind weder akute noch chronische Intoxikationen.

 

Sobald Symptome sichtbar werden, sind Heilungschancen oft vertan, da dann bereits eine irreversible Leberschädigung vorliegt!

 

Bitte beachten Sie:

  • Mähen verstärkt die Giftigkeit um ein Vielfaches.
  • Leider verlieren die Pflanzen im Heu, in der Silage und in Cobs ihre Bitterstoffe, jedoch nicht ihre Giftigkeit. Sie sind daher für Weidetiere besonders gefährlich.
  • Jungpflanzen / Blattrosetten haben auch im frischen Zustand noch keine fresshemmenden Eigenschaften!
  • Kreuzkräuter können sich auch in Gemüse- und Kräutergärten verbreiten und gefährden so auch uns Menschen. Sie sollten daher sicher erkannt und vollständig beseitigt werden.

Mehr Informationen:

Literatur

Bosshard A. et al. Jakobs- und andere Kreuzkraut-Arten: eine Standortbestimmung. Agrarforschung 2003; 10 (6): 231-235.

Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) & World Health Organization (WHO). Code of Practice for Weed Control to Prevent and Reduce Pyrrolizidine Alkaloid Contamination in Food and Feed. CAC/RCP 74-2014.

Hooper PT. Pyrrolizidine alkaloid poisoning. Pathology with particular reference to differences in animal and plant species. In: Effects of Poisonous Plants on Livestock 1978: 161-176.

Petzinger E. Pyrrolizidinalkaloide und die Seneciose bei Tieren. Teil 1: Vorkommen, Chemie, Toxikologie. Tierärztl Prax 2011; 39 (G): 221-230.

Petzinger E. Pyrrolizidinalkaloide und die Seneciose bei Tieren. Teil 2: Klinik, Speziesunterschiede, Rückstandsverhalten, Futtermittelkontamination und Grenzwerte. Tierärztl Prax 2011; 39 (G): 363-372.